Der Sommertörn im Herbst 2020

Ausgefallen ist er, der Sommertörn 2020. Corona sei Dank! Eigentlich sollte es im Juni wieder zu unseren Nachbarn nach NL gehen. Der Wunsch meiner Frau war, mal wieder die Turfroute zu fahren, weil wir da unseren ersten gemeinsamen Törn unternommen haben. Aber die Pandemie machte uns, und sicher nicht nur uns, dieses Jahr einen gehörigen Strich durch jede Planung.

Den Juni haben wir in D verbracht und sind den Malerweg im Elbsandsteingebirge gewandert, worüber ich an anderer Stelle auf ralfsreiseblog.de berichte. So ganz ohne Boot wollten wir dieses Jahr aber doch nicht sein und im Spätsommer waren die Inzidenzzahlen so, dass wir es versucht haben. Schließlich haben wir ja auf dem Boot so gut wie keinen Kontakt zu anderen und vorsichtig sind wir sowieso. Lange Rede – kurzer Sinn: Es war eine tolle Woche im September 2020 über die ich hier nun schreiben möchte!

Der Plan war: Meppen – Ter Apel – Bourtange – Windschoten – Oude Pekela – Stadskanaal – Ter Apel – Meppen. Aber wie das so beim Bootfahren geht, Pläne sind dazu da, flexibel zu bleiben! Es hat also nicht alles so geklappt, aber das kennen diejenigen, die hier regelmäßig mitlesen oder selber Boot fahren ja schon.

Am 4. September hieß es im YCHE Leinen los und über die Ems und den Haren-Rütenbrock-Kanal nach Ter Apel zum Yachthaven De Runde, den ich hier ja schon des öfteren über den grünen Klee gelobt habe und dabei bleibt es auch. Selbst in Corona-Zeiten war alles perfekt von Henk und seiner Familie organisiert!

Die Verordnungen in NL ließen es sogar zu, dass wir im Hafenrestaurant lecker essen konnten und so ging es am nächsten Morgen gestärkt und ausgeruht los Richtung Bourtange. Ich bin diese Strecke ja schon einmal mit einem Freund gefahren, nachzulesen gerne hier: Bourtange – Ein Männertörn

Für mich war diese Selbstbedienungsstrecke über den Ruiten-Aakanaal also nichts Neues. Mein erster Offizier war aber recht aufgeregt ob der Brücken und Schleusen, die sie nun alleine bedienen sollte 🙂

Los ging es ja schon in Ter Apel, wo die Brücke der Oosterstraat, der Hauptdurchgangsstraße, bedient werden musste. Aber das ging schon mal problemlos und sie war sehr zufrieden mit sich und der Welt.

Schon damals hatte ich ja geschrieben, dass nach der ersten Brücke der Urwald beginnt. Wer es nicht glauben mag, hier ein paar Impressionen.

Alles lief wie am Schnürchen. Es wurde die Gebrauchsanweisung studiert,

Hecken und Schranken geschlossen

und gekurbelt oder gedreht was das Zeug hielt

Ein Paradies für den Skipper, der machen durfte, was er am liebsten macht: Boot fahren 🙂

Aber dann geschah das erste Unheil des Tages. An der Schleuse, deren Zufahrt Martina auf dem obigen Bild gerade frei macht, schloss das Untertor nicht und der Grund ist gut erkennbar

Eine durchaus beachtenswerte Gras-Wasserpflanzen-Wasauchimmer-Insel hat sich zwischen die beiden Schleusentore geschoben, so dass der nötige Kontakt nicht ausgelöst werden konnte, um die Kammer zu fluten. Da war guter Rat teuer. Im Unterwasser lag ein Holländer, der dann erstmal mit der Störungsstelle verhandelt hat.

Dort gab man ihm den Tipp, den Störungsknopf, eine Art Nothalt, der an jeder Schleuse ist, zu drücken. Keine gute Idee, wie wir später merkten. Es war übrigens Sonntag und der Notdienst hatte sicher auch anderes zu tun. Verständlich in meinen Augen und so machten wir uns an die Eigenhilfe.

Der holländische Kollege kraxelte auf das Schleusentor und versuchte mit einem kleinen Plastikbootshaken das Problem zu lösen. Funktionierte natürlich nicht. MaRa hat aber noch sehr alte Utensilien an Bord. Unter anderem auch einen Bootshaken mit Metallspitze und langem Holzstiel und damit ging es tatsächlich voran.

Mit einem ordentlichen Hebel konnten dann auch die Schleusentore soweit aneinander gedrückt werden, dass die Kammer flutetet. Nach und nach konnten so alle Übeltäter rausgefischt werden.

Nun kam aber das Problem, dass wir auf den Nothaltknopf gedrückt haben, zum tragen. Die Tore gingen nicht auf und wir mussten doch auf den Techniker warten, der mit seiner Tochter und ganz offensichtlich vom Sonntagskuchen kam. Es gibt aber schlimmere Orte, seine Wartezeit zu verbringen.

Gut gelaunt wurden wir befreit und konnten unseren Weg Richtung Bourtange fortsetzen. Aber nicht lang bis zum nächsten Problem.

An dem Bild muss ich vielleicht mal die Funktionsweise der Brücken erklären. Mit einem Schlüssel muss man an dem silbernen Kasten die Bedienung freischalten, als nächstes die Schranke im Vordergrund schließen, die Tore im Hintergrund schließen und dann die Brücke hochkurbeln. Für jeden Schritt muss man erst den vorherigen in der richtigen Reihenfolge erledigen, sonst lässt sich nichts bedienen. Eigentlich ganz einfach.

Bei der nächsten Brücke ließ sich aber die Schranke nicht senken. Der Kontakt hat nicht freigegeben. Komischerweise ließen sich die Tore im nächsten Schritt schließen und auch die Brücke bedienen. Ich konnte also durchfahren und die Radfahrer, die sich mittlerweile angesammelt hatten, warteten seelenruhig.

Um für den Landverkehr wieder alles freizugeben, muss man die Brücke senken, dann den Schlagbaum hoch und die Tore öffnen. Problem: Die Tore ließen sich nicht öffnen, weil ja die Schranke nicht unten war und somit keinen Kontakt zur Freigabe der Tore auslöste.

Also wieder die Störungsstelle anrufen. Für die Brücke ging jedoch niemand ran und der für die Schleuse zuständige Herr sprach so gut deutsch, wie ich niederländisch: gar nicht. Dankenswerter Weise hat eine wartende Fahrradfahrerin die Kommunikation übernommen, helfen konnte jedoch niemand.

Eigenhilfe war wieder gefragt: ich habe kurzerhand die Sperre an der Schranke abgeschraubt!

Somit konnte ich die Schranke entriegeln, senken und der nötige Kontakt für die Tore war da. Wer diese Strecke fahren will, sollte sich genügend Zeit mitbringen. Eilig darf man es hier nicht haben 😁

Das war aber die letzte Aufregung des Tages und nach kurzer Zeit haben wir den Abzweig des Bourtangekanaals erreicht. Blick zurück: Rechts sollte es morgen weiter Richtung Norden gehen.

Der Bourtangekanaal ist sehr eng. Bisher hatte ich auch noch keinen Gegenverkehr dort, das würde sicherlich kritisch.

Im Hafen war mal gar nichts los. Freie Platzwahl für uns. Es war halt schon mehr als Nachsaison aber uns war es Recht so.

Leider waren wir durch die kleineren, technischbedingten Verzögerungen viel zu spät da, um an dem Tag noch die Festung Bourtange zu besichtigen. Also haben wir uns kurzerhand entschlossen, einfach einen Tag länger zu bleiben, um in Ruhe bummeln zu können.

Der nächste Morgen begann herbstlich nebelig, aber als sich die Sonne durchgesetzt hatte, wurde es noch ein schöner Tag. Und, ich kann es vorweg nehmen, einer ohne nennenswerte Schwierigkeiten.

Zurück auf dem Ruiten-Aakanaal ging es Richtung Norden und damit nun auch für mich auf neues Gewässer. Beim Männertörn sind wir ja seinerzeit wieder zurück nach Ter Apel gefahren. Auf dieser Strecke wartete jedoch noch ein Hindernis auf uns, was uns möglicherweise auch zum Umkehr zwingen könnte. Aber dazu später. Zunächst ging es weiter wie gewohnt. Brücken und Schleusen waren selbst zu bedienen.

Die arbeitende Bevölkerung machte die Fahrt manchmal recht eng

Aber sonst war es eine sehr schöne und ruhige Fahrt. Doch dann kam es, das Hindernis, von dem ich vorher sprach:

eine feststehende Brücke mit 2,50 m Höhe! Nun sollte man meinen, dass der Skipper sein Boot kennt. Tut er auch, im Wesentlichen. Aber beim seinerzeitigen Kauf hat der Verkäufer von 2,55 m gesprochen. Wie ich an anderen Stellen schon mal bemerkt habe, war auf dessen Expertisen oftmals wenig Verlass, so dass ich schon selber mal versucht habe, die Höhe „zuverlässig“ zu messen. Mit Holzlatte, Wasserwaage und Maßband bin ich mal auf 2,45 m Durchfahrtshöhe gekommen. Deshalb war ich auch zuversichtlich, wenn auch angespannt, als wir uns der Brücke näherten.

Zentimeter für Zentimeter drückten wir uns durch und was soll ich sagen? Der Skipper kennt sein Boot! Es sollten noch weitere Brücken in der Höhe folgen aber es passte halt. Nur der Erste Offizier traute dem Braten nie und kroch jedes Mal auf das Achterdeck um von dort zu rufen: “ Schatz, gib Gas! Es passt!“ 🙂

Der Plan für den Tag sah vor, dass wir so lang nordwärts fahren, bis wir an der Westerwoldsche Aa nach Westen Richtung Windschoten abbiegen konnten. Wir haben uns aber sehr kurzfristig um entschieden und sind in das Veendiep abgebogen. Laut Karte 2,50 m Durchfahrtshöhe und 1,20 tief, also für MaRa machbar. Und es war eine tolle Entscheidung. Nur sehr langsam kamen wir vorwärts. Der Erste Offizier musste auf dem Vordeck einige Äste wegdrücken, der Skipper musste alle Manöverkünste aufbieten, um die 10,50 m der MaRa um die Ecken zu bekommen, aber es war toll!

Nur Fotos konnte ich bei der ganzen Aufregung kaum machen 🙂

Über die Pekeler Aa erreichten wir schließlich den Jachthaven de Rensel in Windschoten, der am Ende eines Industriegebietes liegt, was man auch hört. Nichts besonderes aber alles da, was man braucht. Hafenmeister nett, Versorger in der Nähe und die Stadt ist auch nicht weit.

Pandemiebedingt war auch in Winschoten alles mehr oder weniger zu. Aber rund um die Kirche scheint ein tolles Kneipenviertel auf die Durchimpfung der Bevölkerung zu warten. Ich kann mir gut vorstellen, dass da zu „normalen“ Zeiten ordentlich Stimmung ist.

Wir haben uns noch im nahegelegenen Albert Heijn für den Abend eingedeckt und haben den Abend an Bord genossen.

Am nächsten Tag wurde das Wetter schlechter und wir wollten nur einen kurzen Sprung nach Oude Pekelar machen. Von dort sollte es dann am nächsten Tag über das Pekeler Hoofddiep im Konvoi Richtung Stadskanaal weiter gehen. Sollte! Hahaha. Aber wie immer der Reihe nach.

Zunächst ging es wieder zurück durch die Eisenbahnbrücke. Ein Blick in den Almanach ist empfehlenswert, da die Öffnung begrenzt ist. Logisch bei dem Zugverkehr.

Bei dem Wetter machte es aber auch keinen Spaß, weite Strecken zu fahren.

Der Hafen in Oude Pekela ist auch nicht der Rede wert. Keinerlei Versorgung, nur ein gammeliger Container als Toilette, der auch noch verschraubt war. Wer keine eigene Versorgung auf dem Boot hat, sollte den Hafen meiden.

Der Ort selber ist sehr schön. Wir haben einen kleinen Spaziergang gemacht und uns hat es sehr gut gefallen.

Direkt am Hafen ist das China Restaurant Fan Yong. Das ist eine echte Empfehlung wert und dort haben wir den Abend ausklingen lassen. Morgen sollte es im Konvoi Richtung Stadskanaal gehen…..

Laut Almanach und allen Schildern im Hafen sollte die Fahrt durch den Ort um 8:30 Uhr losgehen und wir haben uns bereits kurz nach 8:00 Uhr vor die erste Brücke verlegt. Es wurde 8:30 Uhr, es wurde 8:45 Uhr, es wurde 9:00 Uhr und nichts passierte. Haben wir was übersehen?

Wochentag stimmt (es war Mittwoch), Uhrzeit stimmt, also bin ich noch mal durch den Hafen gelaufen um zu sehen, ob irgendwo irgendwas steht? Aber nichts. Die im Almanach angegebenen Telefonnummern liefen ins Leere. Nummer nicht vergeben oder Teilnehmer nicht erreichbar. Im Hafen war ein Angler, der auch nichts wusste, mir aber die Telefonnummer des „Dorfältesten“ geben konnte „Hij weet alles!“ 🙂

Nur ging der auch nichts ans Telefon, rief aber wenige Minuten später tatsächlich zurück. Fazit: Im Ort ist eine Brücke defekt und es kann kein Konvoi fahren. Kann man das nicht irgendwo kundtun? Selbst der Hafenmeister in Ter Apel, dem wir später von dieser Geschichte erzählten, hatte keine Informationen darüber und musste erstmal telefonieren, denn unter http://www.vaarweginformatie.nl , die auch über aktuelle Sperrungen per email berichten, war nichts zu finden . Was wir mitbekommen haben, war er da nicht sehr freundlich 🙂

Es nützte alles nichts, wir mussten zurück. Also über Windschoten, wo wir erst auf den Brückenwärter für die begleitete Fahrt warten mussten, Richtung Veendam. Am späten Nachmittag, kurz vor Feierabend, bekamen wir noch die Schleuse zum Hafen bedient und konnten den turbulenten Tag schön an Bord ausklingen lassen.

Am nächsten Tag ging es die mittlerweile altbekannte Strecke durch Veendam durch zahllose Brücken und Schleusen. Das Wetter war wieder besser und uns ging es prächtig.

Kurz vor Stadskanaal ging es vorbei an der Mündung des Pekelarer Hofddieps, wo wir eigentlich hergekommen wären, wenn es die Sperrung in Oude Pekelar nicht gegeben hätte.

Mit Übernachtung in Stadtskanaal direkt vor der Europabrug…

…ging es wieder zurück nach Ter Apel, wo wir noch einen schönen Tag auf der Hafenterasse und an Bord verbringen durften.

Auf der Rückfahrt durch den HRK hatten wir in einer Schleuse ein déjà vu…….

Aber hier ging alles gut und wir konnten letztendlich durch die Schleuse in Haren wieder auf die Ems fahren. Kurz danach waren wir wieder im Heimathafen und der Törn war, wie immer viel zu schnell, zu Ende.

Es war eine gute Idee, noch ein paar Tage an Bord zu verbringen. Die corona-bedingten Einschränkungen haben wir natürlich auch in den Niederlanden bemerkt. Unter dem Strich war aber alles vertretbar.

Wer die Tour nachfahren möchte, sollte aber auf jeden Fall mindestens zwei Reservetage einplanen. Unvorhergesehenes passiert dort immer wieder.

In neun Etappen lief der Motor knapp 28 Stunden. Gut 100 l Diesel hat der alte DAF verbrannt, was ein Verbrauch von rund 3,6 l pro Betriebsstunde ergibt. Akzeptabel wie ich finde.

Danke fürs Mitfahren. Lob und Tadel wie immer gerne hier als Kommentar oder an info@ralfsreiseblog.de

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