In the summertime – Der Sommertörn 2018

Dieses Jahr ist uns die Auswahl unseres Sommertörns sehr leicht gefallen. Schließlich hatten wir uns genau deshalb einen neuen Heimathafen gesucht. Friesland war das bevorzugte Ziel meines ersten Offiziers und der Skipper hatte auch mal gar nichts dagegen einzuwenden.

Wie immer wollten wir vor den Ferien in den Niederlanden, Niedersachsen und NRW fahren, um dem Gedränge in den Häfen zu entgehen. Dass das in die Zeit der Fußball-WM in Russland fallen würde, war uns egal. Es war ja nur die Zeit der Vorrunde und wenn es für unsere Mannschaft Ernst werden würde, wären wir ja schon wieder zu Hause. Von uns ein guter Plan, wir haben auch alles gegeben aber leider spielten da gewisse Herren in kurzen Hosen nicht mit. Aber der Reihe nach:

Am 15. Juni sollte es losgehen. Einen Tag vorher brachte uns meine Tochter bereits nach Meppen. So konnten wir alles in Ruhe einräumen, MaRa startklar machen und am nächsten Morgen zeitig los.

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Einen festen Törnplan hatten wir nur für die ersten drei Tage bis Meppel, danach wollten wir Tag für Tag neu entscheiden.

Über die Ems ging es nach Haren und von dort den Haren-Rütenbrock-Kanal Kurs West.

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Die Niederlande waren auch bald erreicht.

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Dort mussten wir erstmal in der offen stehenden Schleuse fest machen um einen der Brücken- und Schleusenwärter ausfindig zu machen, der uns Richtung Hoogeveen bringen würde.

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Auf dem Bild ist schon meine neue ActionCam zu sehen. Leider stand ich mit dem guten Ding am Anfang noch auf Kriegsfuß, gegen Ende des Urlaubs haben wir uns aber zusammen gerauft und ich verspreche hier schon ein paar schöne Videos 😉

Für uns ging es hinter der Brücke links rum Richtung Klazienaveen. Eine neue Strecke, die wir noch nicht befahren haben und die auch erst seit 2013 wieder befahrbar ist. Von rechts werden wir in 18 Tagen wieder nach Hause abbiegen.

Wer die Strecke noch nicht gefahren ist, hat wirklich was verpasst! Es geht durch kleine Dörfer, viel Landschaft

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und letztendlich sogar mitten durch Veenpark, einem Museumsdorf.

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Dort hätten wir auch für die Nacht festmachen können, aber es war erstaunlich voll und wir suchten doch mehr Natur und Einsamkeit, die wir kurz danach auch gefunden haben.

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Dass diese wunderschöne Natur auch ihren Preis hat, habe ich am nächsten Morgen gemerkt. Ich habe nur die Mückenstiche an meinem linken Arm gezählt, das waren 22! Über alle anderen schweige ich leidend, aber Martina hatte Mitleid mit mir und das heißt schon was 😀

Zur Einordnung, wo wir hier sind: es ist der südöstliche Zipfel der Provinz Drenthe. Nach eigener Aussage, bzw. der, der Tourismusmanager die „Oerprovincie van Nederland“. Genau genommen sind wir im „Hondsrug“, einem UNESCO Global Geopark. Ein Auszug aus der Seite „besuchdrenthe.de“ sagt:

Der UNESCO Global Geopark De Hondsrug ist kulturhistorisch einmalig in Europa. Die Landschaft bezaubert mit den zahlreichen Hünengräbern, die ihre Entstehung der Eiszeit verdanken. Die Flussläufe unter dem Eis sorgten für die Entstehung der Hügel (Rücken) in der Landschaft. Daher kommt auch der Name Hondsrug (der in etwa dem deutschen Namen Hunsrück entspricht). Das Eis transportierte auch große Steine, aus denen die Menschen zur Zeit der Trichterbecherkultur die Hünengräber bauten – die ältesten Monumente der Niederlande.

Und es ist wirklich hoch interessant dort. Speziell für uns Bootsfahrer, denn wir müssen tatsächlich einen Gebirgsrücken überqueren. Klingt komisch, ist aber wirklich so, wie nachfolgende Karte zeigt.

Hondsrug

Wir befinden uns östlich des roten Bereichs und wollen nördlich von Coevorden weiter nach Westen. Also galt es, Höhenmeter zu überwinden. Ich war nur bei dem Blick auf die Karte irritiert, dass es nur ein Schleuse zu Berg und zwei zu Tal gibt.

Bei Erreichen der Koppelsluis wurde uns das dann schon klarer und die Bilder zeigen, warum wir etwas überrascht waren. Bei der Anfahrt war noch nichts zu erkennen. Aber als wir drin waren, staunte ich über das hohe Obertor. So müssen sich Frankreichfahrer fühlen. Wir waren tatsächlich in einer Art Schleusentreppe. OK, nur 2 Schleusen hintereinander, aber immerhin. Für uns war das Neuland.

Koppelsluis

Es ging wieder durch eine wunderschöne Landschaft, immer weiter Richtung unserem Tagesziel Hoogeveen. Vorbei an allerlei Getier und Leckereien.

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Auf eines muss man auf dieser Strecke allerdings achten: auf seinen Seewasserfilter!

Im Grunde genommen, sehen alle Kanäle so aus wie dieser.

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Und der aufmerksame Skipper sieht hier schon das Problem. Wasserlinsen! Diese Biester haben die unangenehme Eigenschaft, den Seewasserfilter zu verstopfen.

Filter

Nein, ich habe hier nicht ein und dasselbe Foto benutzt. Links war das Ergebnis des Vormittags und rechts des Nachmittags. Ihr seht, ich war also beschäftigt 🙂

Für das Etappenende hatten wir drei Optionen. In Noordscheschut im Oberwasser der dortigen Schleuse, im (Industrie)Hafen Hoogeveen oder im „Yachthaven“ Hoogeveen. Dummerweise haben wir uns für diesen entschieden. Nicht sehr clever!

Schleuse Noordscheschut ließen wir also hinter uns (im Nachhinein wäre das die optimale Lösung gewesen. Kleiner, gemütlicher Ort, Liegeplätze mit Strom und Waschhaus an der Schleuse).

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Wir mussten uns auch ein wenig beeilen, denn es war schon nach 16 Uhr und die Brücken wurden nur bis 17 Uhr bedient.

In den Industriehafen wollten wir nicht also hieß es zack zack Richtung „Yachthaven“ Hoogeveen.

Mit der sehr hübschen Krakeelbrug haben wir auch das vermeintlich letzte Hinderniss passiert

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und wir hatten freie Bahn zum „Yachthaven“ Hoogeveen.

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Vielleicht fragt ihr euch schon, warum ich den „Yachthaven“ Hoogeveen immer so betone. Dieser im Almanak beschriebene „Yachthaven“ besteht aus 6! (in Worten sechs!) Liegeplätzen direkt am Kanal. Die Sanitäranlagen beschränken sich auf einen gammeligen (nur aus der Ferne bewertet) Container am Radweg. UND natürlich Bootskollegen, die so festmachen, dass vor und hinter dem eigenen Boot reichlich Platz bleibt. Wir haben auf diesem Törn reichlich Plätze gesehen, wo durch Schilder explizit darauf hingewiesen wird, bis auf 1,5 Meter aufzuschließen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit!

Uns stellte sich die Frage, was tun? Wir hatten 16:40 Uhr und Watertrack zeigte 19 Minuten zurück zur Krakeelbrug, um den Industriehafen zu erreichen. Also Wende und Hebel auf den Tisch. MaRa gab alles und wir hätten es auch vor 17 Uhr geschafft. Knapp zwar, aber WIR hätten es geschafft. Leider war der Herrscher der Querungsbauwerke nicht auf unseren überfallartigen Angriff auf seine Brücke vorbereitet und schon im sicher wohlverdienten Feierabend. Auf jeden Fall zeigte die Ampel Doppelrot 😦

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Tja, Pech! Wir haben uns an den Wartesteg der Brücke gelegt. So hatten wir zwar keinen Landgang, aber die Batterien waren noch voll, der Wassertank auch, der Kühlschrank beinhaltete ausreichend geistige Getränke und wir konnten mal wieder feststellen, dass es dumm ist, immer bis zum letzten mit der Liegestelle zu warten.

Abends betätigte ich mich noch als Bodydouble des tapferen Schneiderleins…

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… ließ mir von Martina meine geschätzten 73 Mückenstiche (wahrscheinlich waren es mehr, Mitleid bitte!) versorgen und wir hatten eine ruhige und entspannte Nacht.

Teil drei unserer Überführungsetappen war nur ein kurzer Sprung von Hoogeveen nach Meppel. Der erste Offizier meldete keine besonderen Vorkommnisse und der Skipper trug das ins Logbuch ein. Aber die eine oder andere kleine Geschichte gibt es doch zu erzählen.

Drei Schleusen sind auf der Strecke und die haben teilweise einen  für niederländische Verhältnisse ordentlichen Hub. Wir haben vorne 20-Meter-Leinen. Hier sitzt Martina noch fröhlich, aber als wir unten waren, hatte sie nur noch das Ende der Leine in der Hand 😀

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Auf der Strecke haben die Schleusen alle sehr unangenehme Nischen, in denen sich die Poller gerne mal verstecken. Hier hieß es: Augen auf!

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In der Mittagspause kamen wir an die Staphorster Grote Stouwe. Doppelrot zeigt uns die Mittagspause an. Aber MaRa hat sich gaaaaaanz klein gemacht und wir passten problemlos durch.

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Die Mitfahrer, mit denen wir die Schleusen gemeinsam passiert hatten, mussten leider warten. Uns ist hier bereits etwas aufgefallen, was uns immer wieder begegnen sollte. Es sind sehr viele, vor allem recht ältere Herrschaften auf sehr großen Booten unterwegs. Verständlich, denn man will es ja im Alter auch bequem haben. Leider werden diese großen Boote sehr oft nicht sehr sicher bewegt. Sicherlich machen wir auch unsere Fehler oder haben unsere Unsicherheiten. Aber wir haben gelernt, von diesen Kombinationen einen Sicherheitsabstand zu halten.

In Meppel haben wir uns wieder „unseren“ Platz im hinteren Hafenbecken ausgesucht, nach drei Tagen erstmal lange und heiß geduscht, danach lecker gegessen (es darf geraten werden, wo 😉 )

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und nach einem schönen Spaziergang die Sat-Schüssel ausgerichtet. Schließlich spielten Jogis Jungs heute ihr erstes WM-Spiel gegen Mexico. Das sollte doch ein Spaziergang werden! Oder doch nicht?

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Am nächsten Tag weinte der Himmel ob der Darbietungen der Weltmeister. Vielleicht waren es auch die Lachtränen der Holländer, wer weiß. Auf jeden Fall war das Wetter richtig bescheiden. Unseren Plan, Mittags in Giethorn festzumachen um uns endlich mal das Venedig des Nordens genauer anzusehen, haben wir auf jeden Fall schnell verworfen. Tagesziel sollte dann Steenwijk sein. Es machte bei dem Wetter einfach keinen Spaß, noch weiter zu fahren.

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An Steenwijk hatten wir keine guten Erinnerungen. Hier hat uns MaRa letztes Jahr mit dem gelösten Druckschlauch des Wendegetriebes einen bösen Schabernack gespielt. Das Wetter war damals übrigens ähnlich. Nachzulesen hier:

Eine Rundreise – Der Sommertörn 2017

Auch wenn es zwischendurch immer mal aufklarte, selbst bei unserem kleinen Stadtrundgang mussten wir Zuflucht vor dem Regen suchen.

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Unsere niederländischen Sprachkenntnisse konnten wir dann dank des einen oder anderen facebook-Freundes auch noch verbessern. Das ist also ein Hinweis auf eine Herrichtung des Marktes und nicht auf eine Hinrichtung auf dem selben 😉

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Wir haben dann noch im nahe liegenden Jumbo die Versorgungslast aufgefüllt, lecker gekocht und den Abend ausklingen lassen. Der Sommer wird schon noch kommen.

Der Stadthafen in Steenwijk ist übrigens durchaus zu empfehlen. Alles sehr schön und sauber, Supermärkte, Kneipen und Restaurants sind alle nah bei.

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Nach Drenthe waren wir mit Steenwijk nun in Overijssel. Aber nun sollte es endlich nach Friesland gehen. Einen Zielhafen hatten wir nicht, wir wollten einfach mal sehen, wie weit wir kommen.

Aber zunächst sind wir kreuz und quer durch die Weerribben geschippert. Irgendwo schrieb ich schon mal, dass das für Martina quasi eine Pflicht ist. Sie ist in diese Strecke richtig vernarrt. Da darf ich noch nicht mal mehr ans Steuer 😉

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Die Strecke ist aber auch wirklich schön. Wir haben bestimmt 100 Fotos gemacht. Eine kleine Auswahl folgt nun.

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Kurz nach dem wir vom Steenwijkerdiep Richtung Wetering abgebogen sind, ereilte uns unser tägliches Schicksal: Mittagspause = Doppelrot!

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Im Grunde kein Problem. Wenn der Brückenwärter nicht den direkt vor uns (viel zu schnell) fahrenden Kollegen durchgelassen und die Brücke vor unserer Nase gesenkt hätte. Es hat ihn aber nicht weiter gestört. Er hat sein Büro pünktlichst verlassen, war dafür aber nach 50 Minuten wieder da.

In Ossenzijl…

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… hatten wir kurz überlegt, nach Westen Richtung Kuinre und Schoterzijl abzubiegen. Die Brücken hätten wir geschafft, aber die Karte zeigte für die Linde eine Tiefe von einem Meter. Das entspricht unserem Tiefgang und war mir dann doch zu kritisch.

Also ging es durch die Linthorst Homansluis und nach kurzer Wartezeit nach Friesland. Wir waren in diesem Nadelöhr tatsächlich das einzige Boot, dass geschleust wurde. Frieslandfahrer werden die Besonderheit dieses Moments zu würdigen wissen.

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Für die Nacht haben wir uns den Yachthaven „De Driesprong“ kurz vor Echternerbrug ausgesucht.

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Wir hatten Hunger und reichlich Grillgut im Kühlschrank. Das rief richtig nach einem schönen Grillabend im Hafen.

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Der Hafen ist uneingeschränkt zu empfehlen. 12,– € inkl. Duschen sind nun wirklich nicht zu viel und der Shop hat auch eine gute Auswahl an Fendern, Seilen und was das Skipperherz sonst noch begehrt. Nur tanken würde ich da nicht. 1,55 € der Liter Diesel ist wohl nur für Notfälle zu akzeptieren.

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Nächstes Ziel: Lemmer! Da waren wir noch nie und wir wollten den Hotspot am Ijsselmeer unbedingt mal erleben.

Bei immer besser werdendem Wetter ließen wir De Driesprong im Heckwasser zurück.

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Über Pier Christiaansloot ging es nach Echternerbrug.

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Vorbei an Yachtcharter Turfskip und „unserer“ Flora, die ich früher mit meiner jüngsten Tochter zweimal gechartert hatte. Schöne Erinnerungen für mich, für alle anderen hier mal ein Link zu einem der Törns.

Friesland im Oktober 2014

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Durch die Brücke ging es auf das Tjeukemeer. Auch wenn die Bilder es vielleicht nicht vermuten lassen, war es eine recht ruhige Überfahrt. Wind 3 – 4 bft von West und damit von vorn machte keine Probleme. Wir konnten sogar mit 1400 Umdrehungen fahren und MaRa freute sich wohl darüber.

Tjeukemeer

Das Bild oben rechts zeigt schon den Prinsess Margrietkanaal mit der Recreatiegeul, der Fahrrinne für die Sportboote um den hier doch recht imposanten Berufern nicht in die Quere zu kommen.

Danach war Lemmer schnell erreicht. Wir haben im Gemeindehafen Binnen festgemacht und gleich die erste Lektion in Sachen „Hotspot“ gelernt: 20,45 € für die Nacht inkl. Strom! Respekt! Aber hier will halt jeder hin und das lassen die sich gut bezahlen. Es ist aber auch schön hier. Da es halt noch die Vorsaison war, waren sogar noch Liegeplätze direkt in der Stadt frei. Aber das müssen wir dann doch nicht haben. Es ist wirklich quirlig hier.

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Der Stadtrundgang mit zwischenzeitlicher Stärkung führte uns dann zur Seeschleuse und dem Zugang zum Ijsselmeer.

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Wir haben uns dann auf ein berühmtes irisches Kaltgetränk an den Kanal gesetzt und dem Treiben zugesehen.

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Bei diesem Kollegen hier…..

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… kann man unten schon sehen, dass ich doch mal ein kleines Video drehen musste. Zu sehen in diesem Theater:

Fantastisch, wie diese tollen Schiffe in diesen engen Kanälen bewegt werden.

Das, was sich dann abends am Himmel andeutete, durften wir am nächsten Tag hautnah erleben. Zunächst freuten wir uns aber auf eine ruhige Nacht.

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Sloten war unser Zwischenziel für den folgenden Tag. Die lange Hose brauchte ich zwar nicht, aber der Wind frischte sehr ordentlich auf. Die Wetteränderung, die sich am Vorabend abzeichnete, war also auszuhalten.

Während wir noch beim Frühstück saßen, zogen zwei wunderschöne Segler an uns vorbei.

Der Stella Frisia und Klipper De Hoop sollten wir im Laufe des Tages noch öfter begegnen.

Für uns hieß es kurz danach dann auch Leinen los und Kurs Sloten.

Der Wind war sehr ordentlich mit 5 – 6 bft aus WNW, was aber auf den Kanälen nach Sloten kein nennenswertes Problem darstellte.

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In Sloten konnten wir dann auch im Windschatten der Bäume gemütlich anlegen.

Diese kleine Festungsstadt ist immer wieder einen Besuch wert. Ein kleiner Stadtbummel wurde standesgemäß mit Appelgeback met slagroom beendet.

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In dem kleinen Supermarkt haben wir noch ein wenig Verpflegung eingekauft und dann sollte es auch schon weiter gehen. Wir hatten uns Woudsend oder Heeg als Etappenziel gesetzt. Kein weiter Weg mehr, nur noch kurz über das Slotermeer und wir wären da. Nur noch kurz……

Die Nieuwe Langebrug war schnell passiert…

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… und schon war der See in Sicht. Ich gebe an dieser Stelle gerne zu, ich habe drüber nachgedacht, es zu lassen. Der Wind kam noch immer mit 5 -6 aus WNW und wir mussten in der Betonnung Richtung Nord fahren.

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Wir haben es aber doch gewagt und es war eine wahre Sturmfahrt. Dies ist auch das letzte Foto. Wir hatten einfach keine Hand frei. Oftmals ging das Wasser über MaRa hinweg und wir waren froh, als wir die Landabdeckung kurz vor Woudsend erreichten.

Wir waren ordentlich durchgeschüttelt. Heeg war damit für uns gestorben. Wir hätten nochmal, wenn auch nur kurz, über einen See fahren müssen und das kam heute nicht mehr in Frage. Woudsend hat uns bei der Durchfahrt nicht wirklich gefallen also wurde kurzentschlossen ein neuer Plan entworfen und der hieß

Waterport Sneek

Sneek

Über Ijlst …

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… ging es in das Herz des friesischen Wassersports. Vor dem Waterport war kein Platz mehr frei, also ging es durch die Stadt Richtung Houkeslot, wo noch reichlich Plätze frei waren. Das Anlegemanöver war bei dem Wind etwas tricky, aber letztendlich erfolgreich.

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Gegenüber lagen dann auch wieder alte Bekannte, die uns nach Lemmer auch in Sloten begegnet sind.

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Nach dem Tag hatten wir uns ordentliche Stärkungen verdient 😉

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Und ein wenig Kino gab es auch noch.

 

Nach einer stürmischen Nacht und einem kurzen Frühstück hieß es am nächsten Tag wieder Leinen los, Kurs Akkrum. Auch ein Örtchen, das auf Martinas must-have-Liste steht.

Aus Sneek heraus ging es erstmal wieder auf den Prinsess Margrietkanaal.

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Der Blick nach Steuerbord zeigte uns unsere täglichen Begleiter, wie sie das Sneekermeer kreuzten. Herrlich!

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Und bei der Brücke in Terherne waren sie, weil wir etwas länger warten mussten, auch schon wieder hinter uns. Noch herrlicher!

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Terherne, wo wir bei Yachtcharter Wetterville auch schon mal gechartert haben (Friesland, Overijssel, Drenthe – Auf der Turfroute 2015) ließen wir an Steuerbord liegen und es ging direkt weiter nach Akkrum.

Dort wollten wir nicht in den großen Yachthafen, sondern haben uns für den kleinen Stadthafen entschieden. Der ist zwar nur für Boote bis 10 Meter (MaRa hat 10,50 Meter) aber es sollte nicht voll sein, so dass das manövrieren in die engen Boxen trotz noch immer ekeligem Wind machbar sein sollte.

So war es auch. Hafen leer, Box gut anzusteuern.

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Bei unserem kleinen Spaziergang durch den Ort sahen wir allerdings schon ein Festzelt im Hafen und eine Kirmes im Ort. Das ließ nichts Gutes erahnen.

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Man sagte uns auch voller Vorfreude, dass es die nächsten Tage hier ein Stadtfest gebe, auf das sich schon alle freuen. Ich kann das ja sehr gut nachvollziehen, aber wollen wir das Festzelt kurz vorm Bug haben? Wir meinten nein. Als wir zurück zum Boot kamen, war auch schon eine sehr nette Hafenmeisterin da, die uns vor der Nacht warnte 😀 Sie empfahl uns, nach Grou zu fahren, da sei sie auch zuständig…..

Genau das haben wir dann gemacht. Wir haben den Weg durch Akkrum hindurch über Peanster Ie und Pikmeer gewählt und nicht die Autobahn über den Prinsess Margrietkanaal. Hinter der Eisenbahnbrücke in Akkrum sahen wir sie dann zum letzten Mal

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Grou war dann schnell erreicht und wir suchten uns einen Liegeplatz direkt vorm Thehuis, letztes Jahr abgebrannt und schon wieder in voller Pracht aufgebaut.

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Der übliche Landspaziergang führte uns dann noch in ein Restaurant und gut gesättigt, haben wir den Tag an Bord ausklingen lassen.

Es wurde kalt, sehr kalt! Kaum zu glauben, denn ich schreibe diese Zeilen gerade am 24.07. und sitze um 18:30 Uhr im Schweiße meines Angesichts bei noch immer 32° im Garten. Aber am 23.06. zeigte das Thermometer dies:

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Ich habe tatsächlich die Heizung angeschmissen. Der Kaffee wäre sonst nicht heiß geworden.

Als wir aufgetaut waren, haben wir Grou Richtung Wergea verlassen, Ziel Leuwarden und vor allem das dortige Pannekoekenship. Ein must have der ganzen Crew!

Der Wind hatte über Nacht etwas abgeflaut, die Temperaturen waren so lá lá, der Himmel bot grandioses Wolkenkino. Auch diese Strecke war für uns Neuland, ist aber wunderbar zu fahren.

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In Wergea gibt es eine alte Ortsdurchfahrt, die sehr, sehr schmal sein muss. An beiden Seiten des Ortes stehen große Warnschilder, dort nur mit kleineren Booten einzufahren. Auch der Almanak warnte dort. Wir haben uns dann für die Westumfahrung entschieden. Schade, das Örtchen machte einen netten Eindruck.

Kurz danach erreichten wir Hempens. Das scheint die Reiche-Leute-Vorstadt von Leeuwarden zu sein. Da gab es einiges zu bestaunen. Am Ende des Ortes bogen wir dann nach Westen auf den Van Harixmakanaal, der südlichen Umfahrung Leeuwardens, ab.

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Der Erste Offizier hielt konzentriert Ausschau, immer auf der Suche nach schönen Fotomotiven….

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Leeuwarden erreichten wir dann in der Mittagspause. Wir mussten eine halbe Stunde vor der Hermesbrug warten, waren aber nicht alleine.

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Im Convoi ging es dann weiter.

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Die Westerstadsgracht war proppevoll. Logisch, es war Wochenende und Leeuwarden ist dieses Jahr Kulturhauptstadt Europas. Übergeordnetes Thema ist Tal (Sprache) und selbst mir als Kunstbanausen haben die vielen Installationen in der Stadt und den Parks zu dem Thema gefallen.

Einen Platz haben wir dann in der Noorderstadsgracht gefunden.

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Die beiden Lücken gegenüber füllten sich am Abend noch mit großen Charterbooten, bestückt mit deutschen Männercrews und über und über mit Deutschland-Devotionalien geschmückt. Auch logisch, denn heute spielte ja wieder der Weltmeister und nach dem merkwürdigen Aufgalopp sollte es doch jetzt endlich richtig losgehen.

Herrlich zu beobachten waren auch die offenen Rundfahrboote, bestückt mit holländischen Männercrews. Deren Lieblingslied war: „Schade Deutschland, alles ist vorbei!“ 😀 Keine Ahnung, diese Holländer, denn heute Abend werden die Schweden vernichtend geschlagen. Wer was anderes behauptet, hat keine Ahnung. Basta!

Für uns ging es aber erstmal in die Stadt, Pfannkuchen Norwegian Style rief. Und es war wie immer ein Gedicht!

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Zurück auf MaRa wollte ich die Sat-Schüssel für das Fußball-Schmankerl ausrichten, musste aber feststellen, dass wir Richtung Astra nur Bäume hatten. Ein ganz schwaches, ständig verschwindendes und wieder auftauchendes WLAN erlaubte zumindes via VPN-Netzwerk Fragmente dieses Spektakels zu verfolge. Allerdings nur bis zur 92. Minute, dann war das WLAN wieder weg und ich hatte desilusioniert abgeschaltet. Doch plötzlich piepte meine WM-App und der grandiose Sieg war doch noch eingetütet. Singende Holländer habe ich den Abend nicht mehr gehört. Denn das war die Initialzündung! Nun werden wird den Titel verteidigen! Und wer was anderes sagt, hat keine Ahnung. Basta!

Ich hatte zumindest Zeit, ein ernstes Wörtchen mit meiner actioncam zu sprechen und was soll ich sagen? Wir haben uns angenähert. Zu der Zeit waren wir noch nicht die besten Freunde, aber wir geben uns beide Mühe. Den ersten Erfolg konnten wir am nächsten Morgen bei der Ausfahrt aus der Noorderstadsgracht feiern. Ich bin stolz auf uns.

Ja, ich gebe zu, es ist ein Anwenderproblem. Ich war noch nie ein Freund von Handbüchern und bin mehr der try-and-error-Typ. Aber es wird…..

Zurück zum Thema! Dokkum war das Tagesziel und wie ich auf facebook schon schrieb, wenn wir nach Meppel kommen, ist es IMMER sehr windig und wenn wir nach Dokkum kommen, regnet es IMMER. Wir kennen das, es stört uns nicht mehr.

Zunächst ging es aber nördlich raus aus Leeuwarden.

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Der typische Zwischenstopp war dann Burdaard. Das liegt halt ziemlich in der Mitte zwischen Leuuwarden und Dokkum und egal, von welcher Seite wir un nähern, dort stranden wir immer zur Mittagszeit.

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Die Weiterfahrt ist dann auch immer spannend. Es sammeln sich halt immer einige Boote und es gibt nur einen Brückenwärter für zwei Brücken. Also werden alle zwischen die Brücken gesperrt und man muss zusehen, wie man sich dort voneinander frei hält.

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Aber irgendwann geht es dann auch weiter, bis es in Dokkum zum nächsten Stau kommt.

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Aber es ist vorne schon zu sehen, die meisten biegen nach rechts Richtung Mühlen ab. Wir liegen aber gerne mitten in der Stadt und sind auch klein genug, zumindest die ersten zwei Brücken problemlos zu nehmen.

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 In Dokkum selber war nicht viel los. Es war halt Sonntag. Aber eine der Mühlen war auf und zu besichtigen. Der „Müller“, genau genommen jemand aus dem Förderverein, der die Mühlen am Leben hält, gab viele interessante Einblicke und so eine funktionsfähige Mühle von innen zu sehen ist ein Erlebnis. Überall dreht es sich und knackt es. Eine tolle, jahrhundertealte Technik.

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Und bewegte Bilder gibt es auch noch.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang und einem leckeren, vom Smutje/Erster Offizier gezauberten Abendessen ging es mit diesem Blick ins Bett. Zum niederknien, oder?

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Lauwersoog oder Zoutkamp? Das war die Frage, die wir uns morgens beim Frühstück stellten. Das Wetter wurde besser, der Wind ließ weiter nach, so dass wir das kurzfristig entscheiden wollten.

Vorher, beim Brötchen holen, konnte ich aber dieses bestaunen. Eine mobile Waschstraße für Einkaufswagen. Hände hoch, wer das schon mal gesehen hat. Ich hatte mir aber auch ehrlich gesagt noch nie Gedanken darüber gemacht, wie Einkaufswagen gereinigt werden. Nun, jetzt weiß ich es!

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Aus Dokkum heraus hatten wir wieder imposante Begleitung.

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Und auch imposanten Gegenverkehr

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Durch die Willem Lorèsluis ging es dann aufs Lauwersmeer und damit schon wieder raus aus Friesland und rein in die Provinz Groningen. Wobei das Abschiedsschild schon etwas irreführend ist. Denn eigentlich befinden wir uns noch immer in Friesland. Die Grenze der Provinzen geht mitten durch das Lauwersmeer und je nach dem, auf welcher Seite man dort fährt, verlässt man Friesland erst knapp vor Zoutkamp.

Das Lauwersmeer war recht ruhig, wie haben dennoch entschieden, nach Zoutkamp zu fahren, dort zwei Tage zu verbringen und morgen mit dem Fahrrad nach Lauwersoog zu fahren. Eine gute Idee, wie sich zeigen sollte.

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Durch das Zoutkamperril ging es wieder vorbei an uns neugierig beäugenden Getier und durch die Reitdiepbrug in den Binnenhaven, wo wir direkt vor unserem Lieblingsfischrestaurant ZK86 festmachen konnten.

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Vorbereitet auf die morgige Radtour haben wir uns selbstverständlich auch.

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Der Restaurantbesuch am Abend war dann aber leider etwas enttäuschend. Der Wintergarten war geschlossen und die Speisekarte war sehr abgespeckt. Aber wir haben trotzdem noch was leckeres gefunden und die Küche war sehr gut wie immer.

Der nächste Tag ging super los, sollte aber mit viel Aufregung enden. Aber der Reihe nach.

Wie haben den Schiffsdiesel gegen unsere Bordfahrräder getauscht und uns auf den Weg gemacht. Die Entfernungsangaben variierten zwischen 13 und 17 km. Es werden wohl 13-14 gewesen sein und jeder Kilometer war schön.

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Selbst der Wind war unser Freund, denn er wehte auf dem Hinweg von vorn und auf dem Rückweg von hinten. Die Sonne schien oft und obwohl es noch ein wenig frisch war, ging es uns richtig gut.

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Der Radweg führte uns um den Jachthaven Hunzegat herum und dann am Zoutkamperril und immer östlich des Lauwersmeer mitten durch den Nationalpark.

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Die Zeit verging wie im Flug und schon waren wir in Lauwersoog und damit direkt an der Nordsee. Wir lieben diese Luft!

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Lauwersoog ist jetzt nicht so spannend. Aber wir haben die Hafenatmosphäre genossen.

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Auch der Robbengatsluis, der Verbindung vom Lauwersmeer zur Nordsee haben wir natürlich einen Besuch abgestattet.

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Etwas schade war, dass das Café an der Hafeneinfahrt geschlossen hatte. Dort hätten wir sehr gerne gesessen und die Fähren nach Schiermoningkook beobachtet. Aber es war halt noch Vorsaision.

Ein bisschen Kunst gab es auch noch zu bewundern.

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Mit kleinen Abstechern in die Binnenhäfen und leckeren Appelgeback im Museumshafen ging es dann mit Rückenwind wieder zurück nach Zoutkamp.

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Zurück in Zoutkamp haben wir uns noch für die gute Bewachung unseres Bootes bedankt.

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Der Kollege gehörte zu dem alten Berufsschiff im Hintergrund, war aber ultra neugierig und leistete uns oft Gesellschaft.

Am Nachmittag passierte es dann. Radio aus, Funk aus, Beleuchtung aus, Wasserpumpe aus. Was war das denn? Scheibenwischer funktioniert, Navigations- und Toplicht funktioniert, 220 Volt-Anschluss funktioniert. Nur Teile des 12-V-Netzes waren platt. Wie kann das sein? MaRa hat eine PV-Anlage, die zwei 125 A Batterien an Bord speißt, aber es funktionierten nur Teile.

Ich hatte nun 2 Möglichkeiten. Entweder mit meinen rudimentären Stromkenntnissen selber auf Fehlersuche gehen, oder mir professionelle Hilfe zu holen. Ich hatte mich für zweiteres entschieden, auch aus der Angst heraus, dass der Rest der Stromversorgung auch noch den Dienst quittiert.

Im Hafen ist die Gruno Werft beheimatet. Leider habe ich dort keinen mehr angetroffen. Also bin ich in die Touristeninfo und die freundliche Dame hat mir einen Elektriker besorgt, der auch schnell da war. Er hat alles gegeben, kam aber auch nicht wirklich weiter. Zu unserem Glück kannte er aber den Geschäftsführer der Gruno Werft, der auch tatsächlich zu Hilfe kam.

Nach langem Hin und Her war der Fehler gefunden. Die zwei Verbraucherbatterien hatten noch einen Zwischenschalter, mit dem man die Batterien einzeln oder gemeinsam ansteuern kann, und der war kaputt. Eine Batterie, an der offensichtlich die nicht funktionierenden Verbraucher hängen, wurde nicht mehr geladen und war leer. Schalter überbrückt und es sollte nach ein wenig Ladung wieder funktionieren.

Aber nun maulte die Lichtmaschine. Die Ladestromlampe ging nicht mehr aus. Also auch hier kurz von der Starterbatterie überbrückt und schon war wieder alles gut. Ich verstehe es bis heute nicht, aber offensichtlich muss ich im Winterlager mal mit professioneller Hilfe an die gesamten Ströme ran. Die Diagnose, dass die Lichtmaschine kaputt sei, war glücklicherweise falsch, denn das Problem trat nicht mehr auf und die Empfehlung, am nächsten Tag in Groningen einen neue einbauen zu lassen, war unnötig.

Trotzdem an dieser Stelle tausend Dank an die Helfer in Zoutkamp, vor allem an Klaas von ich glaube es war Oorburg Installaties!

Am nächsten Tag war Groningen das Ziel. MaRa funktionierte einwandfrei, alle Batterien wurden geladen, die Lichtmaschine meldete sich nur beim Start. Einmal überbrücken und gut war es. Aber wie immer, man fährt ja ganz anders Boot, wenn etwas war. In der Dorkwerdersluis vor Groningen habe ich mich auch noch nicht getraut, den Motor abzustellen, in der Sorge, erst wieder umständlich die Lichtmaschine mit Zusatzstrom versorgen zu müssen.

Aber die Fahrt als solche war wieder traumhaft schön.

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Aus Zoutkamp raus geht es über das wunderschöne Reitdiep fast ohne Ortsdurchfahrten bis zum VanStarkenborg Kanaal, der nur gekreuzt werden muss, um die Dorkwerdersluis zu erreichen.

Die Schleuse kam auch gerade zu Tal, so dass wir gar nicht lange warten mussten. Hier wird ohne Mittagspause bedient, das gilt aber nicht für die folgenden Brücken, so dass wir mal wieder für eine halbe Stunde strandeten. Danach maulte auch die Lichtmaschine nicht mehr. Erklär einem Kaufmann mal die Technik…..

Weiter geht es über das idyllische Reitdiep…

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… bis hier alle gesammelt werden, um die Stadtdurchfahrt im Convoi anzutreten.

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Neben den ganzen Seglern, die da schon in 3er-Päckchen liegen, waren das auch noch sechs oder sieben Motorboote um uns rum.

Leider hat mich meine actioncam hier wieder mit Missachtung gestraft. Ich hätte diese Ortsdurchfahrt gerne gefilmt. Aber es gibt Bilder:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Hinter der Museumsbrug konnten wir die Segler überholen, weil wir unter den dann noch folgenden Brücken problemlos durchfahren konnten.

So waren wir dann auch schnell im Oosterhaven und fest an unserem Lieblingsplatz an der Gracht.

Wir hatten auch gar nicht mehr so viel Zeit. Also schnell anmelden und dann ab in Het Herrenhuis, eine Kneipe, die wir vor 2 Jahren, als wir während der Fußball-EM hier waren entdeckt haben.

Da sich die Elftal ja scheinbar für kein Turnier mehr qualifiziert, habe die dort aus der Not eine Tugend gemacht und frei nach dem Motto „If you can’t beat them, join them!“ flux aus Het Herrenhuis Het DEUTSCHLANDhuis gemacht. Inklusive Deutschlandtrikots zum Verkauf, Deutschlandfahnen und Krombacher im Ausschank. Zwischendurch kommt dann noch eine typisch holländische Blaskapelle und gibt Rosamunde oder Einigkeit und Recht und Freiheit zum besten.

Wir haben da damals das dramatische Spiel gegen Italien gesehen und waren nun bereit für

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Die Blaskapelle war auch da….

Alle waren bester Stimmung und gut vorbereitet. Und was sollte schon passieren. Der Weltmeister gegen Südkorea, ich bitte euch……..

Über den Rest des Abends breite ich das Mäntelchen des Schweigens. Nur soviel: wir waren gegen 2 Uhr Nachts in bester Stimmung im Bett. Wir lassen uns die gute Laune doch nicht von unmotivierten Kickern verderben. Weitere Fotos des Abends sind aber im Giftschrank.

Als ich diese Zeilen schreibe, hat einer dieser unmotivierten Kicker gerade spektakulär seinen Rücktritt erklärt. Ohne jede weitere Wertung, aber man ließt ja aktuell nichts anderes. Gab es einen ARD Brennpunkt? Ich habe schon Angst, den Kühlschrank zu öffnen oder den Toilettendeckel zu heben aus Sorge, der junge Mann könnte mir auch da begegnen. Ich halte es da selbst als eingefleischter Fußballfan pragmatisch mit dem großen Fußball-Lyriker Dragoslav Stepanovic: Lebbe geht weidder 😉

Auf jeden Fall haben wir den nächsten Tag auch noch in Groningen verbracht. Besser war das……. Von dem Tag gibt es auch nur ein Foto, nur, um das tolle Wetter zu dokumentieren.

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Am 29.06. ging es dann aber weiter, bei einem Wetterchen, wie wir es eigentlich seit dem durchgängig haben. Tagesziel war Veendam, es ging also langsam wieder Richtung Heimat.

Den Oosterhaven im Heckwasser zurücklassend…

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… ging es Richtung Winschoterdiep

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Das Winschoterdiep ist anfangs noch voller Berufsschiffahrt, aber je weiter man sich von Groningen entfernt, desto weniger wird das. Zum Schluss waren wir nur noch mit dem kleinen Sportboot vor uns unterwegs durch die zahlreichen, fernbedienten Brücken.

Für die Mini Fans unter meinen Lesern habe ich hier noch eine vielleicht interessante Adresse. Wer diese Nuckelpinnen mag ist dort eventuell gut aufgehoben. Werbung am Kanal.

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Auch weiter im Landesinneren gibt es dann noch Werften, die sich hauptsächlich um Seeschiffe kümmern. Es ist schon beeindruckend, wenn man an diesen Riesen so dicht vorbei fährt.

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In Hoogezand-Sappermeer sind wir letztes Jahr vorbeigefahren, als dort ein Baumarkt oder ähnliches abgebrannt ist. Die letzten Glutnester haben uns damals noch einen kleinen Gruß Richtung unserer Nationalen geschickt. Nachzulesen hier:

Eine Rundreise – Der Sommertörn 2017

Aufgebaut wurde da aber nichts mehr. Wahrscheinlich wird dort ein neues Quartier „Wohnen am Wasser“ entwickelt. Wenn man mit Holländern spricht ist das wohl im ganzen Land ein diskutiertes Thema. Das liebe Geld…..

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Vom Winschoterdiep in den G. Wildervanckkanaal abgebogen wird es dann schlagartig wieder idyllisch.

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Der Hafen in Veendam ist direkt hinter der Schleuse am Ortseingang.

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Dort werden alle Boote gesammelt, da nur zweimal am Tag ein Convoi durch die rund 50 Brücken und diversen Schleusen bis Bareveld geleitet wird, die durch mehrere Brücken- und Schleusenwärter im Akkord bedient werden. 9:15 Uhr hat man uns als Starttermin für morgen gesagt.

Den Abend haben wir dann noch mit einem kleinen Bummel durch die Stadt, einen letzten Einkauf und einem leckeren Essen an Bord ausklingen lassen.

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Pünktlich ging es los, sehr pünktlich. Mit vier Booten machten wir uns also auf Richtung Bareveld.

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Hier hat fast jedes Haus am Kanal seinen eigenen Brückenzugang. Und die müssen alle gedreht oder geklappt werden, damit wir da durch können.

Es gibt dort viel schönes zu bewundern und auch das eine oder andere skurile. Auch die Museumseisenbahn zeigte sich. Ich konnte noch nicht heraus bekommen, ob die bis nach Veenpark, ihr erinnert euch an das Museumsdorf am Anfang dieses Törns, fährt.

Ab hier waren auch meine actioncam und ich ziemlich beste Freunde geworden (OK, ich gebe auch hier zu, ich habe dann doch mal die Anleitung in die Hand genommen und meinen Fehler schnell gefunden!), so dass ich die ganze Ortsdurchfahrt gefilmt habe.

WARNUNG! Aber Vorsicht! Das sind zwei Teile mit insgesamt 47 Minuten geworden. Es ist vielleicht etwas für lange Winterabende als Ersatz für das prasselnde Kaminfeuer auf DVD. Auf jeden Fall ist es sehr entspannend und sicherlich auch interessant. Etwas für Enthusiasten wie uns.

In Bareveld ging es dann links ab Richtung Stadskanaal und bereits vor der ersten Brücke war Ende.

Wir mussten auf den Brückenwärter warten, der gerade den Gegenverkehr begleitete.

Nach gut 30 Minuten ging es dann aber weiter, bis zur nächsten Schleuse. Da war dann Mittagspause 😀

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In genau dieser Schleuse durften wir auch bereits im letzten Jahr die Mittagszeit verbringen.

Die letzten Kilometer bis Stadskanaal waren dann unspektakulär. Letztes Jahr sind wir noch bis Musselkanaal weiter gefahren, aber wir wollten uns mal was neues ansehen. Lohnte sich aus unserer Sicht nicht.

Wir hatten einen Liegeplatz vor der Eurobrug. Wer dort hin kommt und unbedingt Strom braucht, sollte ein sehr sehr langes Kabel haben oder direkt vor oder hinter der Brücke festmachen. Es sind dort zwar sehr schöne und auch lange Stege, Strom gibt es aber weiter hinten nicht.

Ein kleines Waschhaus gibt es auch. Das ist aber nur ein kleines Containerhäuschen direkt an der Brücke. Dafür sind die Liegekosten extrem günstig. Wir haben 2,50 € +   5,00 € Kaution für den Toilettenschlüssel bezahlt.

Dummerweise feierte in einem der Häuser direkt nebenan jemand seinen 50sten Geburtstag. Mit allem, was dazu gehört. Inklusive nächtlichem Hupkonzert von einem Unimog bis drei Uhr morgens. Herzlichen Glückwunsch nochmal von dieser Stelle.

Wirklich gefallen hat uns Stadskanaal nicht und beim nächsten Mal fahren wir auch wieder durch.

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Vor dem Männchen oben links sollte man sich in der Vorbeifahrt aber in Acht nehmen….

Die vorletzte Etappe führte uns dann von Stadskanaal nach Ter Apel. Dort wollten wir im Yachthaven De Runde festmachen. Den Hafen kannte ich schon von unserem Männertörn nach Bourtange ein paar Wochen vorher.

Bourtange – Ein Männertörn

Es wurde eine ruhige und entspannte Fahrt mit wenig Besonderheiten. Eine haben wir aber bereits in der ersten Schleuse bemerkt. Ich habe ja vor ein paar Tagen über meine Beobachtungen hinsichtlich deutlich älteren Paaren auf sehr großen Booten berichtet. Hier hatten wir auch wieder so ein Exemplar.

Eigentlich ist die Schleuse ja groß genug für vier Boote, aber wenn einer sich an die Schleusenwand rettet und mitten drin festmacht, wird es für den letzten eng. Wir konnten nur noch längs an ein anderes Boot gehen. Alles nicht so dramatisch, wenn man uns nicht zugerufen hätte, dass man extra für uns nach vorne gegangen wäre. Hinter ihnen waren keine 10 Meter mehr Platz, dafür vorne bestimmt 7 – 8 Meter. Kopfschütteln auf 3 von 4 Booten 😀

Wir sind dann aber vor ihnen rausgefahren und in den weiteren Schleusen gab es auch keine weiteren Probleme.

Hier mal ein paar Impressionen von der wirklich schönen Fahrt bis Ter Apel.

Der Yachthaven De Runde ist uneingeschränkt zu empfehlen. Sehr ruhig gelegen mit einem sehr rührigen und freundlichem Betreiberpaar. Wobei, ich muss hier mal wieder eine Lanze für unsere westlichen Nachbarn brechen. Wo wir hinkamen trafen wir auf sehr freundliche Menschen. Es war total schön!

Den Yachthaven kann man auch auf einem kleinen Spaziergang umrunden und schöne Fotos schießen.

Am nächsten Tag war der wunderschöne Urlaub schon wieder vorbei. Es ging über den Haren-Rütenbrockkanal wieder zurück nach Meppen.

Geradeaus sind wir vor 18 Tagen Richtung Veenpark gefahren und für uns ging es aber wieder nach links Richtung Heimathafen.

An der Tankstelle kurz vor der Grenze haben wir die Gelegenheit genutzt und die Tanks noch mal vollständig zu einem akzeptablen Kurs von 1,329€/l gefüllt und dann hieß es schon „Tot ziens!“

Wenige Stunden später waren wir schon wieder fest beim YCHE in Meppen.

Schön wars und obwohl wir diesmal sogar 2,5 Wochen Zeit hatten, war es unter dem Strich wie immer viel zu kurz.

Für die Statistiker unter meinen Lesern:

  • der Motor lief 67,7 Stunden
  • verbraucht wurden 165 l Diesel
  • der Durchschittsverbrauch lag damit bei grandiosen 2,45 l/h (wir sind halt selten über 1000 U/min gefahren)
  • Der DAF 575 hat nur einen Liter Öl verbraucht
  • Liegegebühren in Häfen und Städten insgesamt 181,60 €
  • hinzukommen die Kosten für Duschen (haben wir uns nicht aufgeschrieben) und Strom (insgesamt 5,00 €)
  • 788 Fotos haben wir geschossen, von denen es 342 in diesen Reisebericht geschafft haben.

Ich danke allen Lesern die es bis hier hin geschafft haben und freue mich wie immer auf Kommentare und likes hier oder bei facebook, twitter und instagram.

Ralf

 

 

 

 

 

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